achmed

DIE ABENTEUER DES PRINZEN ACHMED

Der erste abendfüllende Trickfilm der Filmgeschichte

Der Silhouettenfilm von Lotte Reiniger basiert auf den märchenhaften Motiven aus "1001 Nacht" und erzählt von der abenteuerlichen Reise des Prinzen Achmed, die am Hofe des großen Kalifen beginnt. Ein Fremder erscheint in der Stadt und stellt sein Wunderwerk vor: ein Pferd, das durch die Lüfte fliegen kann. Der Kalif möchte dieses Zauberpferd unbedingt besitzen! Als Gegengabe fordert der Zauberer die schöne Kalifentochter Dinarsade. Das erzürnt zwar Dinarsades Bruder Achmed, doch auch seine Neugier ist geweckt. So beginnt Prinz Achmeds abenteuerliche Reise...
Auf der Insel Wak-Wak trifft er die schöne Pari Banu, in die er sich auf den ersten Blick verliebt. Inzwischen sinnt der Zauberer in der Stadt des Kalifen auf Rache, und schon bald gelingt es ihm ein zweites Mal, dem Prinzen übel mitzuspielen. Er raubt Pari Banu und Prinz Achmed findet sich in einer öden Gegend auf einem Felsen wieder. In dessen Inneren haust die Todfeindin des Zauberers, die gute Hexe von Flammenberg. Sie hilft dem tapferen Achmed, seine schöne Prinzessin wieder zu finden, doch das Glück ist nur kurz, denn die Dämonen der Insel Wak Wak holen sich ihre Herrin zurück. Nachdem die gute Hexe in einem atemberaubenden Kampf den bösen Zauberer besiegt hat, gelingt es Prinz Achmed mit Hilfe von Aladins Wunderlampe, seine geliebte Pari Banu aus den Fängen der wilden Dämonen zu befreien, und am Ende kann der trauernde Kalif seine Kinder überglücklich in die Arme schließen.

Lotte Reiniger schrieb das Storyboard, schnitt die Figuren und Hintergründe und bewegte sie, assistiert von Alexander Kardan und Walter Türck, ihr Mann Carl Koch hatte die Aufnahmeleitung und Kontrolle der Technik, Walther Ruttmann, Filmexpressionist und Regisseur (u.a. "Berlin, Symphonie einer Großstadt"), gestaltete die phantastischen Bewegungen im Kampf der Dämonen von Wak-Wak, der Experimentalfilmer Berthold Bartosch die Wellenbewegungen für den Seesturm. Bedenkt man, dass für eine Sekunde 24 Einzelaufnahmen nötig sind, so kann man ermessen, welche Leistung hinter dem ersten abendfüllenden Animationsfilm der Filmgeschichte steht. Im ganzen wurden etwa 250.000 Einzelbilder aufgenommen, 100.000 für den Film verwendet.
Am 2. Mai 1926 fand die Premiere des Stummfilms in der Berliner Volksbühne am Bülowplatz statt. Der Uraufführung schloss sich eine glanzvolle Vorstellung in Paris an.

"Prinz Achmed" hat eine wechselvolle Geschichte. Im 2. Weltkrieg ging das Negativ des Films verloren. 1989 wurde der Film vom Deutschen Filmmuseum Frankfurt restauriert. Ausgangsmaterial dafür war ein neues 16mm-Negativ, das der Filmproduzent Louis Hagen / Primrose Productions in London 1954 von dem damals einzigen erhaltenen Filmpositiv hatte herstellen lassen. Für die 16mm-Kopie von 1989 wurden die verschollenen deutschen Zwischentitel in zeitgenössischer Schrift rekonstruiert und eine überarbeitete Farbversion angefertigt. Auf der Tonspur dieser Kopie (und auch auf den danach hergestellten im Handel befindlichen Videos) erklingt die Musik des englischen Komponisten Freddie Phillips, gespielt von einem kleinen Ensemble.
Der 100. Geburtstag von Lotte Reiniger im Jahr 1999 war Anlass, noch einmal zu recherchieren. Das Ergebnis war die Neuanfertigung einer 35mm-Kopie, entstanden in Kooperation vom Deutschen Filmmuseum Frankfurt und ZDF/Arte, gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Die neue 35mm-Kopie unterscheidet sich in der Farbgebung (aufgrund der Angaben der aufgefundenen Nitrokopie) und ist um einige Zwischentitel (nach der Zensurkarte vom 15.1.1926) ergänzt worden, hat die ursprüngliche Einteilung in fünf Akte und neu gestaltete Zwischentitel.