Zum Artikel springen

Märchen- und Musikfilme

Märchen und Fabeln

Märchen und Musik sind eng verwoben mit dem künstlerischen Schaffen von Lotte Reiniger. Beide Quellen waren ihre Antriebskraft. Für die "Abenteuer des Prinzen Achmed" griff sie auf orientalische Motive zurück, später, nach dem Krieg, als sie in London lebte, hat sie auch europäische Märchen bearbeitet, deutsche von den Grimms, französische von Perrault, die des dänischen Märchendichters Andersen, und ein Film wie "Kalif Storch" zeigt, dass sie auch "1001 Nacht" nicht vergessen hatte. Sie wanderte durch die Kulturen, ließ sich von ihnen anregen und zu etwas ganz Neuem inspirieren. Ihr handwerkliches Können und ihre immer präsente hintergründige Komik bewahrt die Märchen-Sujets vor dem Abgleiten in unverbindliche Gefühlsseligkeit. Ihre Figuren sind leichte, beschwingte Wesen, die sich mit ausgewogener Grazie und Schönheit bewegen und dennoch nie den Bezug zur Realität ver­lieren.

Märchenfilm-Serie (1953/1954)

Diese Silhouettenfilme nach Märchen von Hans Christian Andersen, Wilhelm Hauff und der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm sind im Rah­men eines Märchenfilm-Auftrages im Jahr 1953/1954 im Studio von "Abbey Arts Centre" in New Barnet, dem Arbeits- und Wohnort von Lotte Reiniger und Carl Koch (ab Sommer 1952), entstanden. Die Filme wurden von der 1952 von Louis Hagen jun. zusammen mit Vivian Milroy in London gegründeten Primrose Film Productions Ltd. (benannt nach dem Londoner Stadtteil Primrose Hill, wo die Firma ihre Geschäftsräume hatte) produziert. Lotte Reiniger arbeitete wie bei fast allen ihren Filmen eng mit ihrem Mann Carl Koch zusammen. Louis Hagen hatte für diese Arbeit in London eigens einen Tricktisch in Auftrag gegeben, der sich heute in der Sammlung des Filmmuseums Düsseldorf befindet.
Die Filme sind erst in den USA und danach in Großbritannien (BBC) ausgestrahlt worden. Einen Teil der Filme hat das ZDF im Juli 1969 übernommen und - mit neuen Tonspuren - zum ersten Mal seit dem Weggang von Lotte Reiniger einer größeren Öffentlichkeit in Deutschland vorge­stellt. 1983 wurden vom Bayerischen Rundfunk für einige Titel nochmals neue Tonspuren mit Jörg Hube produziert, die den bezaubernden Stil der Filme auf sympathische Weise unterstreichen.