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Weitere Kurzfilme

(Auswahl)

Das Ornament des verliebten Herzens

1919 - Silhouetten-Animationsfilm - Animation und Regie: Lotte Reiniger - Mitarbeit: Carl Koch und Berthold Bartosch - Produktion: Institut für Kulturforschung, Berlin - Produzent: Hans Cürlis - 4 Min., s/w

Lotte Reinigers erster Silhouettenfilm Film von 92 Metern Länge hatte am 12. Dezember 1919 seine Uraufführung und Hans Cürlis beschrieb ihn später in seinem Beitrag "Bildende Kunst im Film" für das Kulturfilmbuch, Berlin 1924, so: "Ein ganz graziöses Spiel zweier Tanzfiguren ... Ein feines, liebenswürdiges, heiteres Drama voller Charme in allen Bewegungen, ohne Text, der ganze Inhalt in den Rhythmus der beiden Menschen und des mitschwingenden und glossierenden Ornaments aufgelöst."

Der Film "Das Ornament des verliebten Herzens" galt als verschollen, bis das Filmmaterial im Rahmen der Recherche für die DVD-Gesamtedition (2006-2008) im George Eastman House in Rochester entdeckt wurde.

 

Das Geheimnis der Marquise

1921/1922 - Silhouetten-Animationsfilm - Animation und Regie: Lotte Reiniger - Mitarbeit: Carl Koch - Auftraggeber: Beiersdorf AG, Hamburg - Produktionsfirma: Werbefilm GmbH, Berlin - Produzent: Julius Pinschewer - 2 Min., s/w

"Das Geheimnis der Marquise" war ein Auftragswerk der Firma Beiersdorf zur Bewerbung der auch heute noch weit verbreiteten Serie von Nivea Hauptpflegeprodukten und ist einer der wenigen Filme, bei denen Lotte Reiniger die übliche Gestaltung mit dunklen Silhouetten auf hellem Grund umkehrte und in einer amüsanten Kurzgeschichte helle Silhouetten auf dunklem Grund agieren ließ, vermutlich um die schneeweiße Schönheit eines Nivea-gepflegten Teints zu unterstreichen.

 

Die Jagd nach dem Glück

1929/1930 - Spielfilm mit Silhouetten-Trickfilmsequenz -"Nach einer Idee von Lotte Reiniger und Alex Strasser" - Manuskript und Regie: Lotte Reiniger, Carl Koch, Rochus Gliese - Kamera: Fritz Arno Wagner - Schattenspiele: Lotte Reiniger und Berthold Bartosch - Musik: Theo Mackeben - Liedtext: "Treuloses Glück" - Produktion: Comenius-Film, Berlin - 18 Min., s/w

"Die Jagd nach dem Glück" wurde als abendfüllender Realfilm in 10 Akten mit Silhouetten-Animations-Sequenzen in Akt 3, Akt 9 und Akt 10 konzipiert. Der Film war ein lang gehegtes Wunschprojekt der befreundeten Ehepaare Carl Koch/Lotte Reiniger und Jean Renoir/Catherine Heßling, wurde aber ein drastischer finanzieller Misserfolg. Er hatte keinen Verleih in Deutschland; nur in England wurde die Silhouetten-Trickfilmsequenz von der Londoner Film Society vorgeführt. Als Ursache für den Misserfolg des Films wurde insbesondere die Nachvertonung des als Stummfilm produzierten Werks gewertet.
Auf der DVD "Doktor Dolittle und Archivschätze" ist der Film "Die Jagd nach dem Glück" mit Musikbegleitung - einer Neukomposition von Marie-Luise Bolte nach Motiven des Liedes "Treuloses Glück" - zu hören.

 

The Tocher

1937/1938 - Silhouetten-Animationsfilm - "A Film Ballet by Lotte Reiniger" (Titelzusatz) - Regie und Animation: Lotte Reiniger - Musik: Rossini-Themen arrangiert von Benjamin Britten nach Soirées Musicales (Instrumental- und Vkalmusik) - Produktion:General Post Office (GPO) Film Unit, London - 5 Min., s/w

Die Märchengeschichte ist ein Werbefilm für Postsparbücher. "The Tocher" (Tocher ist der schottische Ausdruck für Mitgift) handelt von wahrer Liebe, die durch die finanzorientierte Heiratspolitik des Vaters der Braut gefährdet wird. Durch das Überbringen eines Postsparbuchs gewinnt der wahre Liebende in letzter Minute die Gunst des Vaters und kann die Zwangsheirat seiner Geliebten mit dem reichen Widerling vereiteln.

 

Weitere Silhouettenfilme für General Post Office (GPO) Film Unit: "The HPO" (1938) - "Christmas is Coming" (1949) - "Here and There" (1949) - "Not without Licence" (1949) und für Crown Film Unit London (CFU): "Mary's Birthday" (1950/1951)

 

Die vier Jahreszeiten

1980/1981 - Alternativtitel: Düsselchen und die vier Jahreszeiten - Silhouetten-Animationsfilm - Regie und Animation: Lotte Reiniger - Kamera und Assistenz: Cornel Schmid - Musikbegleitung: Erwin Bootz - Herstellung: Teamfilm Düsseldorf im Auftrag des Filminstituts Düsseldorf - 2 Min., s/w

Lotte Reinigers letzter Film; sie war vom Filminstitut Düsseldorf eingeladen worden, um noch einmal an ihrem Londoner Tricktisch zu arbeiten, den sie zusammen mit einem Teil ihres Nachlasses dem Filminstitut (seit 1989 Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf) überlassen hatte. Im September 1980 gestaltete sie den Kurzfilm "Die vier Jahreszeiten" in schwarz-weiß auf 16mm-Filmmaterial, teilweise vor dem Publikum der Ausstellung "Licht, Träume und Schattenbilder". Für die Tonspur des Films wurde Klaviermusik von Erwin Bootz aufgenommen. Die Uraufführung fand in Düsseldorf am 1. August 1981 statt, wenige Woche nach Lotte Reinigers Tod am 19. Juni 1981.

(Texte auszugsweise von Anke Mebold)

 

Die DVD "Doktor Dolittle & Archivschätze" enthält außer den hier genannten noch eine Reihe von Fragmenten, Mitarbeits- und Verwechslungsfilme sowie Informationen über verschollene und schwer zugängliche Filme.

 

Silhouetten-Kurzfilme im Zusammenhang mit dem Film "Die Abenteuer des Prinzen Achmed"

Der scheintote Chinese

1928 - Regie & Animation: Lotte Reiniger - Produktion: Comenius Film, Berlin - Archiv: Deutsches Filminstitut DIF - 9 Min., s/w

Ursprünglich für den 3. Akt des Silhouettenfilms "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" (1923-1926) vorgesehen, kam die Episode "Der scheintote Chinese" 1928 als eigenständiger neunminütiger Stummfilm heraus. Nach Motiven aus Tausendundeiner Nacht gestaltete Lotte Reiniger die Geschichte von Ping Pong, dem Liebling des chinesischen Kaisers. Verwöhnt von dessen Gaben, gerät der kleine Ping Pong außerhalb des Hofes in eine missliche Lage: Die Gräten eines Fisches, der ihm von einem Ehepaar gereicht wird, werden ihm zum Verhängnis. Die Bemühungen eines Geizigen und eines Betrunkenen um den "toten" Ping Pong bleiben erfolglos - das Schicksal wendet sich sogar gegen sie, so dass sie als vermeintliche Mörder am Galgen zu enden drohen. Doch die Geschichte wäre nicht von Lotte Reiniger erzählt, um nicht doch - durch einen zarten Flügelschlag - ein glückliches Ende zu finden ... Stilistisch ist das kleine Werk zwischen "Prinz Achmed" und "Dolittle" angesiedelt – das betrifft sowohl die Figurenzeichnung als auch den hintergründigen Humor.

 

Aladin und die Wunderlampe

Aladdin and the Magic Lamp - 1923-1926 - Regie & Animation: Lotte Reiniger - Produktion: Comenius Film, Primrose Film Productions, 1953 - Archiv: Deutsches Filminstitut DIF - 13 Min.

Dies ist die Geschichte vom armen Schneider Aladin, dem der böse Zauberer Schätze verspricht, wenn er ihm einen Gefallen tut: Er führt Aladin zu einem Brunnen, in dessen Tiefe die magische Lampe leuchtet, die der Junge ihm heraufholen soll. Er tut wie ihm geheißen, doch will er die Lampe nicht hergeben, bevor der Zauberer ihm aus dem Brunnen wieder heraushilft. Darüber wird der Zauberer zornig und stößt Aladin zurück in die Tiefe. Da entfaltet der Geist der Lampe seine Macht und stellt sich in den Dienst des armen Aladin, zaubert ihm den gewünschten Palast für Dinarsade, die Tochter des Kalifen. Doch Aladins Glück währt nicht lange – dem bösen Zauberer gelingt es mit List, die Wunderlampe auszutauschen und damit den Palast mitsamt Dinarsade verschwinden zu lassen. Das bringt Aladin in arge Bedrängnis und er kann sich dem Zorn des Kalifen nur durch Flucht entziehen. Am Ende aber findet er seinen Palast wieder und darin nicht nur seine geliebte Prinzessin, sondern auch den bösen Zauberer, den er überwältigen kann. So sind die Liebenden wieder vereint und der Kalif schließt alle glücklich in die Arme. Wer Lotte Reinigers "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" kennt, wird in ALADIN wesentliche Teile des 4. Aktes sehen und dennoch zwei Unterschiede zu jenem erkennen: des Zauberers Tausch der Wunderlampe und die Wiederkehr des Palastes, in dem nur ein Paar (Aladin/Dinarsade) zum Kalifen zurückkehrt. Das spricht dafür, dass Lotte Reiniger diesen Film 1953 - wohl in Zusammenhang bzw. als Vorläufer der Märchenfilmserie - unter Verwendung von Teilen aus "Prinz Achmed" neu gestaltet hat.

 

Das Zauberpferd

The Magic Horse - 1923-1926 - Regie & Animation: Lotte Reiniger - Produktion: Comenius Film, Primrose Film Productions, 1954 - Archiv: Deutsches Filminstitut DIF - 10 Min., s/w.

Am Geburtstag des Kalifen führt ein Zauberer sein wundersames "fliegendes" Pferd vor. Der Sohn des Kalifen, Prinz Achmed, will das prüfen und steigt mit dem Pferd in die Lüfte auf. Doch er weiß nicht, wie er es stoppen und wieder zur Erde lenken kann. So fliegt er höher und höher, durch Sturm und Gewitter und landet schließlich auf einer verwunschenen Insel bei einer zauberhaften Prinzessin. Währenddessen forscht der Zauberer in der Stadt des Kalifen nach seinem Pferd, verwandelt sich in ein fliegendes Ungeheuer, um Achmed zu folgen und das Pferd zurückzuholen. Doch die Diener der Prinzessin bezwingen ihn und Achmed kann mit der geliebten Prinzessin nach Bagdad zurück fliegen. - Der zehnminütige Silhouettenfilm ist eine Zusammenfassung der Zauberpferdszenen aus dem Film "Die Abenteuer des Prinzen Achmed".

 

Diese drei Kurzfilme sind als "Extras" auf der DVD "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" enthalten.