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Aschenputtel

(1922 / 1954)

Die Geschichte vom Aschenputtel ist eines der beliebtesten Mär­chen, von dem verschiedene Fassungen überliefert sind, am bekann­testen wohl die der Brüder Grimm; außerdem gibt es die höfische Fassung von Perrault und von der tschechischen Schriftstellerin Bo­zena Nemcova stammt eine charmante Variante mit emanzipato­rischen Anklängen (siehe Vaclav Vorliceks Verfilmung "Drei Nüsse für Aschenbrödel", die längst ein Klassiker ist).

Lotte Reiniger hat das Märchen vom Aschenputtel zweimal gestaltet: 1922 als Stummfilm ganz im Stil des Expressionismus (die engli­schen Zwischentitel wurden auf Veranlassung von Eric Walter White, einem Freund von Lotte Reiniger und Carl Koch, von ihr selbst in London gestaltet und dem Film nachträglich eingefügt). 1954 ent­stand "Aschenputtel" im Rahmen einer Auftragsserie für das US-Fernsehen noch einmal unter dem Titel "Cinderella" als eine mär­chenhaft schöne - höfische - Version. Der Vergleich beider Fassungen ist reizvoll.

 

Aschenputtel (1922)

Regie und Animation: Lotte Reiniger - Kamera: Carl Koch - Produktion: Institut für Kulturforschung, Berlin - 13 Min., s/w

Zum Auftakt eine Überraschung: Aus schwarzem Papier wird eine Aschenputtelsilhouette ausgeschnitten - danach öffnen sich immer neue Guckkastenbühnen: Aschenputtel am Herd, darüber die als Ka­rikaturen überzeichnete dicke und dünne Stiefschwester, dazwischen die böse Stiefmutter, die ihren Stock schwingt. Die Einladung des Königs löst hektische Aktivität aus. Aschenputtel wäre auch gern mitgegangen, stattdessen wird ihm eine Schüssel Linsen in die Asche geschüttet. Die guten Turteltauben aber helfen dem unglück­lichen Mädchen, mit der Arbeit schnell fertig zu werden. Von einem verzauberten Bäumchen am Grab der Mutter bekommt Aschenputtel ein wunderbares Kleid, so dass sie am Ball im Schloss teilnehmen kann. Der Königssohn hat nur Augen für die unbekannte Schöne und tanzt den ganzen Abend mit ihr. Doch der Zauber gilt nur bis Mitter­nacht und Aschenbrödel eilt davon. Zurück bleibt ein nachdenklicher Königssohn - und ein Schuh. Ein langer Zug setzt sich in Bewegung, um diejenige zu finden, der der Schuh passt. Die dünne Schwester hackt sich die Ferse ab und besteht die Schuhprobe. Aber als sie mit dem Königssohn am Grab vorbei reitet, tropft das Blut aus ihrem Schuh. Das lässt den Königssohn umkehren, er folgt den Täubchen und entdeckt das im Keller versteckte Aschenputtel. Darüber gerät die Stiefmutter so in Wut, dass sie sich in zwei Teile zerreißt...

 

Aschenputtel (Cinderella) - 1954

Regie und Animation: Lotte Reiniger - Produktion: Primrose Film Productions, London - Production Team: Carl Koch, Louis Hagen, Vivian Milroy - Musik: Freddie Phillips - Deutsche Fassung, Sprecher: Leo Bieber - 19 Min., s/w

Hier wird Aschenputtels Schicksal in fünf Akten erzählt: 1. Aschen­puttels Alltag - 2. Die Stiefschwestern auf des Königssohns Ball - 3. Die gute Fee, die in der Küche erscheint und vor dem nächtlichen Haus eine der wunderbarsten Verwandlungen inszeniert: Ein Kürbis wird zur Karosse, aus Täubchen werden Pferde und zwei Mäuslein verwandeln sich in einen Kutscher und seinen Lakaien. - 4. Aschen­puttels Auftritt oder der verlorene Schuh - 5. Glückliches Ende: Der Königssohn macht sich auf die Suche nach dem Mädchen, dessen Fuß in den Schuh passt. Die beiden Schwe­stern sehen eine letzte Chance und stecken Aschenputtel in den Keller, doch die Mäuslein zeigen die Falltür zum Keller - Aschenputtel steigt heraus, und die Schwestern sinken ohnmächtig zu Boden. Der Königssohn reitet mit Aschenputtel zum Schloss.