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Der Heuschreck und die Ameise

(The Grasshopper and the Ant, 1954)

Regie und Animation: Lotte Reiniger - Produktion: Primrose - Production Team: Carl Koch, Louis Hagen, Vivian Milroy - Musik: Freddie Phillips - Deutsche Fassung, Sprecher: Jörg Hube - 10 Min., s/w

Auf einer Blumenwiese fiedelt der Heuschreck und alle tanzen nach seinen Melodien: die Schmetterlinge, die Frösche, ein Eichhörnchen, eine Maus, die Raupen und die Käfer. Nur die geschäftige Ameise lehnt die Einladung des lebenslustigen Heu­schrecks ab: "Tanzen? Dass ich nicht lache! Ich habe keine Zeit für solche Sachen. Der Winter kommt, und ich muss Vorräte sammeln!" Doch an den Wintermag jetzt keiner denken. Aber eines Tages ist der heitere Sommer wirklich vorbei, und der Nordwind beginnt kräftig zu blasen. Während der Heuschreck von Kälte und Hunger geplagt wird, sitzt die Ameise in ihrer gemütlichen Stube. Als der Heu­schreck an ihre Tür klopft, weist sie ihn barsch ab. So wäre er wohl erfroren, hätte nicht die Maus den reglosen Musikanten im Schnee gefunden und zusammen mit dem Eichhörnchen ins Warme getra­gen. Mit Mühe gelingt es den beiden, ihn ins Leben zurückzuholen. Und gleich greift er wieder zu seiner Fiedel und fängt mit seinem Spiel an. Nun steht die Ameise an der Tür und sucht Gesellschaft und Unterhaltung. Was die Maus und das Eichhörnchen verwehren, gesteht ihr der Heuschreck großmütig zu: "Kommen Sie nur herein, Fräulein Ameise! Den ganzen Sommer über haben Sie gearbeitet und jetzt, im Winter, können Sie tanzen!"

Lotte Reiniger hat die moralische Fabel von "Grille und Ameise", die im Laufe von Jahrhunderten immer neue Bearbeitungen erfuhr, aus ihrer Sicht interpretiert: "Die Fabel endet mit einem Triumph der Ameise und das wollte ich nicht. - Ich bin sehr für den Heuschreck." Wegen der Ästhetik des Silhouettenfilms hat sie die gedrungene Grille in einen Heuschreck verwandelt. Entstanden ist ein kleines Meisterwerk.